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Ausführungen von Herrn Dr. Gerd Romanowski,

Geschäftsführer des Fonds der Chemischen Industrie,

am 26. November 2009 vor der Presse in Frankfurt

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihnen geht es vielleicht genauso wie mir: Ich habe mit Begeisterung den jungen Leuten zugeschaut, wie sie ihre Experimente vorgeführt haben. Wie war das bei Ihnen? Hatten Sie Chemieunterricht? War er spannend? Möglicherweise haben Sie viele „Trockenübungen“ gemacht und mussten sich weitschweifende Vorträge über komplizierte Theorien anhören. Und das macht wenig Spaß. Doch es geht auch anders – wie das Beispiel hier und heute zeigt. Und genau diese Überlegun­gen waren der Anlass für den Start unserer bundesweiten „Schulpartnerschaft Chemie“ im Jahr 2001, die ein ganzes Bündel unterschiedlicher Maßnahmen um­fasst.

Aus zwei Gründen sind wir heute im Lessing-Gymnasium:

1.Sie ist eine von bundesweit 2215 geförderten Schulen.

2.Unsere „Schulpartnerschaft Chemie“ geht auch in den nächsten drei Jah­ren weiter, und hierfür stellen wir jährlich 2,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Mit unserer Schulpartnerschaft unterstützen wir den Chemieunterricht an allge­meinbildenden Schulen. Nach unserer Kenntnis ist die Chemie die einzige Bran­che in Deutschland, die sich derart systematisch und mit hohem finanziellem Auf­wand für den Nachwuchs und für einen guten Schulunterricht engagiert. Wir wollen mit unserer Initiative Lehrern helfen, einen spannenden und lebendigen Chemie­unterricht zu machen und so mehr Jugendliche für die Chemie begeistern. Seit Beginn der Schulpartnerschaft haben wir dafür über 17 Millionen Euro ausgegeben – für die Bereiche Schulunterricht, Schüler und Lehrer.

Welche Reaktionen haben wir in diesen Fördergebieten in den vergangenen Jah­ren ausgelöst?

Fördersäule Schulunterricht

Eine der tragenden Säulen unserer Schulpartnerschaft ist die Unterrichtsförde­rung. Chemielehrer können hier bis zu 5.000 Euro für ihre Schule erhalten und von diesem Geld Geräte und Chemikalien für Experimente kaufen, damit der Chemie­unterricht anschaulicher, attraktiver und spannender wird.

In dieseUnterrichtsförderunghaben wir seit 2001 den größten Teil der Mittel – nämlich 7,6 Millionen Euro investiert. In den vergangenen fast neun Jahren konn­ten wir so bundesweit 2215 Schulen unterstützen; davon in Hessen 180 Schulen. 19 Frankfurter Schulen haben unsere „Finanzspritze“ bekommen. Mittlerweile ha­ben zahlreiche Schulen diese Fördermittel schon mehr als einmal beantragt.

Ein exzellentes Beispiel für einen modernen und erfolgreichen Chemieunterricht, das uns überzeugt hat, ist das Lessing-Gymnasium mit Frau Schröder-Habbel. Ein durchdachtes Konzept und großes Engagement sind Rückgrat dieses attraktiven Chemieunterrichts. Das Lessing-Gymnasium hat von uns deshalb bislang 6.800 Euro erhalten.

Zur FördersäuleSchulunterricht“ zählen auch unsere Informationsmaterialien. Für sie hat der Fonds seit 2001 weitere 3,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In enger Zusammenarbeit mit Chemiedidaktikern, Fachleuten aus der Industrie und Fachwissenschaftlern aus Universitäten entwickelt der Fonds Experimentiersets, Lernsoftware, Lernspiele und Informationsangebote für das Internet. Außerdem gibt er Informationsserien wie die Serien „Textilchemie“ und „Biotechnologie“ oder die „NanoBox“ heraus. Alle diese Materialien gibt es für Schulen kostenlos. Das neueste Beispiel, die „Nachwachsenden Rohstoffe“, finden Sie in Ihren Unterla­gen.

Renner waren unser Experimentiersets „Tini und Toni“ für die Grundschule und unsere NanoBox für die Oberstufe. „Tini und Toni“ haben wir insgesamt 50.000 Mal kostenlos verteilt; die NanoBox bislang 25.000 Mal.

Die Gesamtsumme, die wir in die Fördersäule Schulunterricht investiert haben, liegt bei über 11 Millionen Euro.

 

Fördersäule Lehrer

Nur wer gut informiert ist, kann auch gut ausbilden. Deshalb haben wir seit 2001 insgesamt etwa 2,7 Millionen Euro für die Förderung der Lehrer ausgegeben; dazu zählen verschiedene Preise und vor allem die Lehrer-Weiterbildung. Über eine halbe Million Euro gab es für 99 Projekte aus der Chemiedidaktik, in denen unter anderem neue und verbesserte Experimente sowie neue fachdidaktische Kon­zepte für den Chemieunterricht entwickelt und erprobt wurden. Der Fonds unter­stützt außerdem auch finanziell die sieben regionalen Chemielehrer-Fortbildungs­zentren der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Natürlich ist in der „Schulpartnerschaft Chemie“ auch an den Lehrernachwuchs gedacht, nämlich die künftigen Chemielehrer. An 175 Lehramtsstudenten gingen nahezu 525.000 Euro für Stipendien und 1590 Referendare erhielten weitere 331.000 Euro Fördermittel.

Neu ist die Förderung schulübergreifender Zusammenarbeit zwischen Lehrern – und auch schulformübergreifende Kooperationen unterstützen wir. Ziel ist, dass Lehrer stärker als bisher ihre Erfahrungen austauschen, Ideen für neue Experi­mente gemeinsam umsetzen und die neu entwickelten Experimente im Chemie­unterricht erproben. Gerne auch in Zusammenarbeit mit einem Chemiedidaktiker. 20 Mal gab es hierfür schon Unterstützung – rund 45.000 Euro. Eines der Projekte wurde vor wenigen Wochen hier in Frankfurt im Rahmen einer Fachtagung für Chemielehrer vorgestellt. Das Fazit der beteiligten Lehrer: Sie machen mehr neue Schülerexperimente im Unterricht und die Kommunikation zwischen den Kollegen wurde intensiviert. Für uns und unsere neue Förderdomäne heißt das: „Ziel er­reicht“.

Fördersäule Schüler

Auch an den Ehrgeiz von Schülern haben wir gedacht: Mit über 777.000 Euro trug der Fonds zum Erfolg zahlreicher Chemiewettbewerbe für Schüler bei. Unterstützt werden auch Projekte zwischen Schulen und beispielsweise Hochschulen in der Mentoring-Förderung. Darunter finden sich eine ganze Reihe Labore an Chemie­instituten, in denen Mittel- und Oberstufen-Schüler solche Experimente ausprobie­ren können, die an den Schulen selbst nicht möglich sind. Dabei werden sie von Fachwissenschaftlern und Chemiedidaktikern angeleitet. Wir unterstützen aber auch Projekte an den Schulen selbst – beispielsweise Experimentier-Samstage in einem Schul-Chemiesaal, wo Grundschüler jeweils mit einem Elternteil experi­mentieren können. Angeleitet werden solche Familien-Zweier-Teams dabei von Oberstufenschülern der Schule. Der Fonds förderte mit 2,5 Millionen Euro bisher 460 solcher „Mentoring-Projekte“. Insgesamt gab es seit 2001 für den Förderbe­reich „Schüler“ 3,3 Millionen Euro.

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach neun Jahren Schulpartnerschaft Chemie können wir uneingeschränkt sa­gen - unserer Engagement lohnt sich: Die Resonanz ist enorm, die Qualität der Projekte sehr hoch, und wir sind unserem Ziel ein gutes Stück näher gekommen, dass moderner, spannender Chemieunterricht Alltag in den Schulklassen wird. Und deshalb haben wir gerne und trotz Wirtschaftskrise diese Initiative für weitere drei Jahre verlängert. Denn eines ist ganz klar: Nur mit sehr gut ausgebildeten Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern kann das Industrieland Deutsch­land erfolgreich und international wettbewerbsfähig sein. Den Grundstock hierfür legt man bereits in der Schule.

Das Engagement der Chemie ist wichtig. Wir verstehen diese Aufgabe auch als Teil unserer Verantwortung für die Zukunft der jungen Menschen in unserem Land. Doch gefordert sind auch Bund und Länder. Der aktuelle Innovationsindikator 2009 des DIW macht deutlich: „Das Bildungssystem bleibt ein wesentlicher Schwach­punkt. Hier hat sich Deutschland zwar im internationalen Vergleich zum Vorjahr von Rang 15 auf Rang 12 vorgearbeitet. Doch nach wie vor ist Deutschlands Bil­dungssystem unterfinanziert und ineffizient. Die Schüler sind schlechter ausgebil­det als in anderen Ländern. Und von den Hochschulen kommt zu wenig Nach­wuchs. Gerade in den Ingenieur- und Naturwissenschaften mangelt es an Hoch­schulabsolventen.Vor allem diese Fächer sind aber unerlässlich für die Innova­tionsfähigkeit.

In den Schulen liegt noch vieles im Argen und hier müssen die Länder handeln. Sie sind für die Finanzierung der Schulen und die Einstellung der Lehrer zustän­dig. Sie müssen das Geld für die Bildung zur Verfügung stellen. Denn seit der Föderalismusreform sind die Möglichkeiten des Bundes, auf die Bildungspolitik einzuwirken, noch stärker begrenzt.

Um das Bildungsniveau vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern zu heben, fordern wir:

·bundesweite Bildungsstandards für alle Schulfächer und alle Abschlüsse an allgemein­bildenden Schulen.

·naturwissenschaftlichen Sachunterricht schon in der Grundschule, durchgän­gig und verbindlich mehr mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht in den weiter­führenden Schulen – unabhängig von Schulformen und/oder Jahrgangsstufen.

·Zentralabitur auf Landesebene mit zwei naturwissenschaftlichen Fächern in allen Bundesländern.

·eine Reform der Aus- und Weiterbildung von Lehrern der Primarstufe im na­turwissenschaftlich-technischen Lernfeld, die sich am Schulalltag orien­tiert.

·eine bundesweit abgestimmte Reform der Lehrerausbildung, um den Praxis­bezug zu stärken und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse in den Lehramtsstudien­gängen zu verbessern.

·einen stärkeren Ausbau und mehr Praxisbezug der Lehrerfortbildung im na­turwissenschaftlich-technischen Fächerfeld; Lehrer müssen zudem ver­pflichtet werden, sich weiterzubilden.

·mehr Ganztagsschulangebote mit ganzheitlich pädagogischen Konzepten zur Förderung und Betreuung von lernschwächeren sowie von leistungs­stärkeren Schülern, auch in naturwissenschaftlichen Fächern.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt, hat kürzlich ein Wirtschaftsmagazin richtig getitelt. Investitionen in die Köpfe künftiger Generatio­nen sind bestangelegtes Geld. Wenn wir in den Geist von Menschen investieren, befähigen wir sie, zu forschen oder zu erfinden und auf der Grundlage dieser Er­findungen, die vor uns liegenden Aufgaben zu bewältigen: wie etwa die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sicher zu stellen oder das Klima zu schützen.

 

Kontakt: VCI-Pressestelle

Telefon: 069 2556-1496

E-Mail:

 

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